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Gespräche und Unterstützung im Café Paula

Michael Büttner hat vor 14 Jahren begonnen, das Leben an der Volksschule Paul-Gerhardt in Freising zu revolutionieren

paulalogoFreising - "Wir sind schon lange keine Brennpunktschule mehr, das Problem ist nur, wie wird man so ein Klischee wieder los?", fragt sich Rainer Stubenvoll, seit 1998 Direktor der Volksschule Paul-Gerhardt in Freising. Die Schule sei nicht wiederzuerkennen, bestätigt auch Michael Büttner, der vor 14 Jahren die Probleme anpackte und die Situation der Schule grundlegend revolutionierte.

Wie Stubenvoll aus Erzählungen weiß, besuchten Anfang der 90er Jahre viele kriegsgeschädigte und traumatisierte Kinder aus dem ehemaligen Jugoslawien die Schule, deren angestautes Aggressionspotential sich gegenüber Mitschülern und Lehrern entlud. Die Hauptschule in Lerchenfeld habe es damals noch nicht gegeben, so dass sich alle Hauptschüler der Stadt Freising an dieser Schule sammelten. Bei 800 Kindern mit teilweise schwerwiegenden Problemen gehörte die tägliche Polizeipräsenz wegen Kriminalität, Gewalt und Drogen zum Alltag.

Ein Unterricht war oft unmöglich, die Lehrer waren überfordert. Man sah ein, dass man zusätzliche Hilfe benötigte, erzählt der Direktor: Im September 1996 war die Volksschule Paul-Gerhardt in Freising die erste Schule im Landkreis Freising, an der nach einem langen Procedere die Jugendsozialarbeit eingeführt wurde und Michael Büttner ins Rampenlicht rückte.

"Meine Arbeit bestand am Anfang darin, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen und ihre schrecklichen Erfahrungen aufzuarbeiten", erinnert sich Büttner. Durch das Schülercafé "Café Paula" sei es möglich geworden, leichte Zugang zu den Problemen der Kinder zu bekommen und für sie da zu sein. Bald sei klar gewesen: "Wenn ein Kind einen Ansprechpartner sucht, geht es ins Café Paula", freut sich Büttner. Er versuche durch Gespräche, die Probleme der Kinder zu klären, rede mit den Eltern und könne den Schulpsychologen oder auch das Jugendamt hinzuziehen, falls es sich zum Beispiel um häusliche Gewalt handele, so Büttner: "Außerdem habe ich durch meine langjährige Arbeit einen tiefen Einblick in die familiäre Situation und die Probleme einiger Schüler, so dass ich gezielt helfen kann."

Heute ist die Jugendsozialarbeit etablierter Bestandteil des Schulalltags, der von allen am Schulleben Beteiligten akzeptiert und genutzt wird und über eine Zeit von 14 Jahren die Situation der Schule grundlegend veränderte. Der heutige Aufgabenschwerpunkt liege nicht mehr in der Aufarbeitung von Erlebtem, so Büttner, sondern in der Prävention. Es sei sogar in der Diskussion, die Präventionsarbeit durch Jugendsozialarbeiter bayernweit von der Grundschule an einzuführen. sana

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 43, Montag, den 22. Februar 2010, Seite 3